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Tagebuch führen

Das kann mehr sein als das reine Festhalten von Erinnerungen oder der Ereignisse des Tages. Das Tagebuch ist ein geheimer Ort (oder sollte es zumindest in den meisten Fällen sein), an dem man offen über seine Gedanken, Gefühle und Ideen „reden“ kann, ohne sich in irgendeiner Form dafür rechtfertigen zu müssen, was man denkt oder fühlt. Man kann sich alles von der Seele schreiben und Geschehnisse reflektieren.

 

Alles was man denkt, fühlt, glaubt, hofft, träumt, was man mag oder nicht mag, die Enttäuschungen, die man erlebt hat, Veränderungen, die man durchlaufen hat, Dinge, die man ändern möchte oder für die man dankbar ist – all das findet seinen Platz in einem Tagebuch.

 

Wichtig ist, dass man beim Schreiben authentisch ist. Man sollte immer ehrlich zu seinem Tagebuch sein – und somit auch zu sich selbst.

Probleme darzulegen, zu strukturieren und zu analysieren führt oft dazu, dass man darüber leichter Klarheit erlangt und diese leichter lösen kann. Durch das Lesen von Einträgen über glückliche Ereignisse kann man in schlechten Zeiten daran erinnert werden, dass es auch gute Zeiten gibt.

 

Wenn du ernsthaft ein Tagebuch führst, bist du quasi gezwungen, innezuhalten und dich mit dir selbst zu beschäftigen. Es bringt Achtsamkeit in dein Leben. Du lernst Dinge und erlangst Klarheit über dich, dein Leben, deine Gefühle, Wünsche, Ängste.

 

Arten von Tagebüchern

 

Neben dem „herkömmlichen“ Tagebuch gibt es eine schier unendliche Zahl von „Themen“-Tagebüchern, wie ich sie mal nennen möchte.

 

Beliebt sind zum Beispiel folgende:

 

-    Dankbarkeitstagebuch: hier schreibt man einfach alle die Dinge auf, für die man dankbar ist

 

-      Traum-Tagebuch: wie der Name schon sagt, hält man hier seine Träume fest. Wenn es um Träume im Sinne von Wünschen geht, wäre das kein Problem für mich. An die Träume, die ich habe, wenn ich schlafe, kann ich zumindest mich in der Regel nicht erinnern, also wäre das wohl eher nichts für mich…

 

-      Urlaubs-Tagebücher: entweder für eine ganz besondere, spezielle Reise oder generell für die Urlaube, die man so verbringt

 

-    Ideen-Tagebuch: so eines führe ich selbst auch. Darin halte ich alles so fest, was ich an Einfällen für Bilder, Basteleien und so weiter habe.

 

Darüber hinaus führen manche auch ein Heilungs-Tagebuch, wenn sie zum Beispiel (schwer) erkrankt sind. Ich habe auch schon von Garten-Tagebüchern gehört, für passionierte Gärtner sicher auch interessant. Oder Haustier-Tagebücher, und, und, und.

 

Wann und wie oft sollte man in sein Tagebuch schreiben?

 

Nun, da gibt es meiner Meinung nach keine verbindliche Regel. Es ist schließlich DEIN Tagebuch. Manche sind wohl so diszipliniert, dass sie wirklich täglich schreiben, andere einmal pro Woche oder pro Monat. Wieder andere schreiben nur, wenn sich etwas Besonderes ereignet.

 

Um wirklich sein Verhalten und seine Gefühle reflektieren zu können (wenn man das will), wäre es wohl sinnvoll, sein Tagebuch halbwegs regelmäßig zu führen. Ich schreibe weder täglich noch wöchentlich, aber mehrmals pro Monat. Zwischendurch habe ich dann mal Phasen, in denen ich mich zusammenreiße und (fast) täglich schreibe. Danach kann es dann allerdings auch vorkommen, dass ich ein paar Wochen lang das Tagebuch nicht anfasse.

 

Auch hinsichtlich der Uhrzeit habt ihr die freie Auswahl. Manche schreiben zum Beispiel morgens direkt nach dem Aufstehen. Es gibt die sogenannten „Morgenseiten“ (Morning-Pages), eine Art „Brain dump“-Methode, die von Julia Cameron                                                              ( http://juliacameronlive.com/basic-tools/morning-pages/ ) entwickelt wurde. „Brain dump“ bedeutet so etwas wie eine Müllhalde für deine Gedanken. Hierbei nimmt man sich drei Seiten Papier und legt einfach los mit dem Schreiben, man hält alles fest, was und wie es einem in den Sinn kommt. Ohne das Ganze in irgendeiner Form zu bewerten. Und man hört erst auf, wenn man die drei Seiten vollgeschrieben hat.

 

Manche lassen abends den Tag Revue passieren und schreiben alles, was sie so erlebt haben. Andere – wie ich – quetschen zwischendurch eine halbe Stunde fürs Tagebuchführen mit in den Tagesablauf.

 

Also, wenn jemand Tipps für mich hat, wie ich mich an eine tägliche Routine gewöhnen kann…???

 

 

An welchem Ort sollte ich in mein Tagebuch schreiben?

 

Für mich ist wichtig, dass ich mich an dem Ort wohlfühle und auch meine Ruhe habe. Ob das nun am Esstisch ist, im Sommer bei schönem Wetter auf dem Balkon, auf einer einsamen Parkbank, im Sommerurlaub in einer unbelebten Ecke vom Strand oder an meinem Schreibtisch, ist mir relativ egal. Es soll Leute geben, die auch gern im Café oder so schreiben – das könnte ich wiederum nicht. Erstens hat man da in der Regel keine Ruhe und außerdem hätte ich immer das Gefühl, dass mir jemand über die Schulter schaut. Und das hasse ich wie die Pest ;) .

Also sucht euch einen schönen Wohlfühl-Platz und legt los!

 

Was für ein Tagebuch soll ich benutzen?

 

Auch hier gilt – erlaubt ist, was gefällt. Ihr könnt einfach ein leeres Notizbuch nehmen, egal ob liniert, kariert, rautiert oder blanko, den nächstbesten Kugelschreiber und ihr legt los. Ich selbst brauche immer auch etwas für´s Auge ;) Manche schwören auf ihr Moleskine oder ihr Leuchtturm Notizbuch. Zugegeben, die sind schon was Feines. Es muss aber nicht so etwas Edles sein, ich habe auch „einfache“ und viel günstigere Notizbücher, die wunderschön aussehen.

 

 Ich gestehe hiermit, dass ich Notizbuchsüchtig bin. Wenn es irgendwo Notizbücher gibt, finde ich die sofort. Auch die einfachen schwarzen mit den roten Ecken kann man wunderbar benutzen – notfalls kann man ja einen schönen Einband drum machen oder sie mit schönem Papier, Farbe oder Stickern und Ähnlichem „aufhübschen“.

 

Wie ihr schreibt, bleibt euch überlassen. Ob Schönschrift, Sütterlin, Steno, oder einfach eure normale Handschrift – vollkommen egal. Ebenso das Schreibuntensil. Ich bevorzuge tatsächlich einen einfachen Kugelschreiber (der nach Möglichkeit nicht schmiert).

 

Und ihr seid auch nicht auf Schreiben beschränkt. Ich habe „Journals“, in denen ich auch zeichne, oder Artikel aus Zeitungen oder Zeitschriften einklebe. Oder auch Bilder/Fotos. So etwas verleiht dem Ganzen Leben, wie ich finde.

 

Genaugenommen braucht ihr noch nicht einmal Papier und Stift. Warum nicht euren Computer nutzen? Ihr solltet die Dateien nur so sichern, dass andere keinen Zugriff darauf haben. Aber das gilt im Prinzip auch für das herkömmliche Tagebuch.

 

Was soll ich schreiben – und wie?

 

Es ist euer Tagebuch – ihr könnt also alles schreiben, was euch so in den Sinn kommt.

Ich gebe zu, dass die ersten leeren Seiten schon mal ein wenig einschüchternd wirken können. Warum fangt ihr nicht einfach damit an, dem Tagebuch etwas über euch selbst zu erzählen? Wer ihr seid, wo ihr lebt, was ihr so macht usw. Oder ihr beantwortet ein paar Fragen oder vervollständigt diese Sätze:

 

Heute/Im Moment …

-          Habe ich … gegessen

-          Habe ich … getrunken

-          Habe ich … gelesen

-          Habe ich ... getroffen

-          Habe ich … gehört

-          Ist das Wetter …

-          Ist meine Stimmung …

-          Brauche ich …

-          Wünsche ich …

-          Genieße ich

-          Fühle ich …

-          Denke ich …

 

Ich werde für einen meiner nächsten Posts mal eine Liste basteln mit Anregungen, worüber man schreiben kann oder mit Fragen, die man beantworten kann, wenn einem sonst gerade nichts einfällt.

 

Bis dahin liebe Grüße,

Evelyn

 

 

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