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Besuch vom Grauen Monster

Da ist es wieder, mein Graues Monster. Leise, still und heimlich hat es sich über die letzten Wochen wieder in mein Leben geschlichen, das Mistding.

 

Heute Abend geht es einigermaßen, aber ich weiß, dass ich morgen wieder nicht aus dem Bett komme. Das Aufstehen allein ist verbunden mit einer enormen physischen und psychischen Anstrengung. Nach dem Duschen und Anziehen könnte ich mich direkt wieder hinlegen, wenn ich mich denn überhaupt mal dazu aufgerafft habe, diese Dinge zu tun.

 

Das Haus verlassen? Jedesmal ein Horrortrip. Und Stress pur, von dem ich mich immer nur sehr langsam wieder erholen kann.

 

Ich habe seit Wochen keinen Pinsel mehr in der Hand gehabt, Ich wüsste gar nicht, was ich malen sollte. Es reizt mich auch nicht. Genaugenommen aber habe ich zu nichts Lust. Nichts macht Spaß. 

 

Ich fühle mich, als hätte ich zentnerschwere Gewichte an Armen und Beinen hängen. Traurig bin ich nicht, nur nah am Wasser gebaut. Ich weine, und habe keine Ahnung, warum überhaupt. Es gibt einfach keinen greifbaren Grund - außer eben die Anwesenheit des Monsters. Und dann diese Leere, von der ich nicht weiß, wie ich sie füllen sollte oder könnte. 

 

Gestern vor dem Weihnachtsurlaub noch bei meiner Psychiaterin gewesen. Diagnose: mittelgradige bis schwere depressive Episode. Also versuchen wir wieder mal, die Stimmungsstabilisierer anders einzupendeln. An den Antidepressiva herumzubasteln bringt nichts, von dem einen nehme ich bereits die Höchstdosis. Außerdem hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass das ein Schuss wäre, der mit Sicherheit nach hinten losgeht. Das haben wir schon zu häufig ausprobiert, auch mit anderen Mitteln. Mit der derzeitigen Medikation komme ich noch am besten klar. Also versuchen wir gewissermaßen, über die Phasenprophylaxe eine hypomanische Phase "auszulösen", Ich muss dann "nur" rechtzeitig den Absprung schaffen, wenn es denn funktioniert... .

 

 

 

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