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Viereinhalb Wochen Tagesklinik ...

... reichen nicht aus.

 

Der Anfang war für mich furchtbar. 

Ich war jeden Tag fix und fertig, weil das strikte "Programm" einfach zu viel für mich ist. Aber da gibt es ja Egon, das fiese Monster, das mich immer und überall anschreit - sprich meine Neigung zu Selbstkritik und Perfektionismus.

Ich musste einfach den Therapieplan durchstehen, auch wenn ich um 16 Uhr dann auf dem Zahnfleisch nach Hause gekrochen bin.

 

Mir zwischendurch eine "Auszeit" zu nehmen, wenn es erforderlich ist (wie es von den Therapeuten und dem Pflegepersonal immer wieder vorgeschlagen wurde)? Geht ja mal gar nicht!!!

Also Augen zu und durch. Ergo-, Musik-, Tanz-, Gruppentherapie, Entspannung, Einzelgespräche ... . Das führte auch prompt noch zu einer Verschlechterung meines Zustandes.

Hinzu kam noch, dass ich ja immer eine Weile brauche, um mit fremden Menschen klar zu kommen.

Mit zwei oder drei Mit-Patienten bin ich überraschend schnell warm geworden, leider (für mich) haben diese dann recht kurzfristig die Behandlung dort beendet. Das warf mich dann erneut  bzw. noch weiter zurück.

 

In der Zeit war Rapid Cycling pur angesagt. Naja, eigentlich ist das schon seit ein paar Monaten der Fall, deshalb hat meine behandelnde Ärztin mich ja in die Tagesklinik eingewiesen.

 

Jedenfalls war dann alles zu viel und die Ärzte schlugen mir vor, mich unter "vollstationärer Aufsicht" von Lithium auf Valproat umzustellen. Und so bin ich jetzt den vierten Tag hier auf der Station. 

 

Und wieder ist alles furchtbar. Zu viele neue Leute für meinen Geschmack. Das Problem ist natürlich auch, dass hier viel mehr Patienten sind als in der TK. Und dann die Hitze, jeden Tag über 30° C und im Zimmer steht die Luft. Die Fenster dürfen ja nur einen Spalt weit geöffnet werden, sind ansonsten abgeschlossen. Ihr könnt euch denken, warum...

 

Diese erste Woche ist erstmal Langeweile pur angesagt, da ich praktisch noch keine Therapien habe. Ich soll erst einmal "ankommen". Habe aber schon diverse Therapien "angeleiert".

Langeweile führt dazu, dass ich mich unter Umständen wieder zurückziehe und mich tagsüber ins Bett lege und ggf. sogar schlafe. Das ist jedoch kontraproduktiv. Also immer her mit den Therapieterminen!

 

Heute hatte ich immerhin zum ersten mal Ergotherapie. Habe mich dazu entschlossen, einen Handschmeichler aus Speckstein zu machen. Ist das erste mal, dass ich damit arbeite. Mal schauen - Bildhauerei und ähnliche gestaltende Dinge sind jedoch definitiv nichts für mich ***LACH***.

 

Und dann noch Psychoedukation. Zum x-ten Mal. Na gut, also nochmal. Frau vergisst ja immer mal wieder was.

Dazu kommen auch immer noch Gespräche mit Therapeuten und Ärzten. Und mit dem Pflegepersonal. Ich glaube, die bekommen noch am meisten von den Patienten mit ...

 

Heute hat man jedenfalls angefangen, das Lithium langsam auszuschleichen. Ab morgen bekomme ich dann das erste Mal Valproat. Wenn ich Glück habe, ist die Umstellung in zwei Wochen gelaufen. Aber bei meinem Glück nehme ich noch ein paar der miesen Nebenwirkungen mit, da schreie ich ja gerne "Hier!". 

Musste heute erstmal eine Erklärung unterschreiben, dass ich nicht schwanger bin oder werden will, weil das Valproat schwere Missbildungen beim ungeborenen Kind und Fehlgeburten auslösen kann. Das konnte ich jedoch mit gutem Gewissen unterschreiben. Ich gehen auf die 50 zu, da werde ich bestimmt nicht noch anfangen, Kinder in die Welt zu setzen ...

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