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"Ich bin bipolar"

Neulich kam unter einigen Patienten die Frage auf, ob man lieber sagen sollte "Ich habe eine Depression" anstelle von "Ich bin depressiv". Das lässt sich natürlich auch auf die Bipolare Störung anwenden, also "Ich habe eine bipolare Störung" anstelle von "Ich bin bipolar". 

 

Hintergrund war, dass durch den Satz "Ich bin ..." das Ganze verschlimmert wird, da man sich selbst mit der Krankheit identifiziert wohingegen "Ich habe..." den Kern der Aussage abmildert und man klar macht, dass die Krankheit kein Teil der Persönlichkeit ist.

 

Man kann darüber sicherlich geteilter Meinung sein. Für mich persönlich ist dies "Schönrednerei", die nichts an den Tatsachen ändert.

 

Die Bipolare Störung ist ein Teil von mir, von meinem Leben, insbesondere in Anbetracht des chronischen Verlaufes, der bei mir vorliegt.

 

Das heißt nicht, dass die Krankheit ständig mein Leben bestimmt, aber in akuten Phasen tut sie das leider.

Aber sie ist nicht alles, was mich ausmacht. Man/Frau sagt ja auch "Ich bin Mutter/Vater", "Ich bin berufstätig", "Ich bin Sportler", usw. Für die meisten ist das sicherlich nicht alles, was sie als Persönlichkeit ausmacht. 

 

Ich bin Ehefrau, Freundin, Künstlern, Schwägerin, Schwiegertochter und noch so einiges mehr.

Und ich bin bipolar. Das ist eine von vielen Facetten, die mich ausmachen, die ein Teil von mir sind, auch wenn ich diesen Teil von mir nicht mag. Ich muss leider damit leben, mein persönliches Umfeld ebenso.

 

Die Formulierung "Ich habe eine bipolare Störung" macht für mich die Sache nicht besser.

 

Ein Haufen Scheiße bleibt ein Haufen Scheiße, auch wenn ich ihn in einen hübschen Karton packe und ein Schleifchen darumbinde...

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